Geschichte

Die Geschichte der Tierversuche von ihren Anfängen in der Antike bis zur Gegenwart ist gekennzeichnet durch Ignoranz, Egoismus und verheerende Folgen für Tiere und Menschen.

                    

Die ersten belegten Tierversuche wurden bereits um 500 v.Chr. von ALKMAION von KROTON durchgeführt. Um den Funktionsmechanismus der Sehnerven zu untersuchen, wurden diese bei zahlreichen lebenden Tieren durchtrennt. Jedoch war das zu dieser Zeit eher die Ausnahme, denn der Weg zum medizinischen Wissen begann mit der klinischen Beobachtung kranker Menschen und den gesammelten Erfahrungen der Ärzte. Der Medizin als Wissenschaft begründete im 4. Jhd. HIPPOKRATES , der berühmteste Arzt der Antike, der „Vater der klinischen Forschung“.

Die ersten Aufzeichnungen von Tierversuchen finden sich im „Corpus Hippocratum“ (500-300 v.Chr.), eine Sammlung von mehr als 60 antiken medizinischen Schriften.

Die 1. Ära der experimentellen Forschung geht auf den griechischen Arzt GALENOS von PERGAMON, auch GALEN, CLAUDIUS GALENUS (ca. 129-199 n.Chr.) zurück. Zunächst begann er mit dem Studium des menschlichen Körpers. Da Leichenöffnungen zu der Zeit tabu waren, behalf sich GALEN mit Versuchen an Schweinen, Ziegen, Affen und Hunden, die ohne Betäubung bei völligem Bewusstsein seziert wurden. Er studierte die Anatomie und Physiologie an lebenden, aufgeschnittenen Tieren und gilt als „Vater der Vivisektionen“ (wörtlich: "lebend aufschneiden"). Die gewonnenen Erkenntnisse wurden vorbehaltlos auf den Menschen übertragen. GALEN hinterließ über 500 medizinische, philosophische und ethische Abhandlungen.

Seine Theorie besagt, dass Gesundheit und Krankheit vom Zustand der vier Körpersäfte (Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle) abhängen würde. So glaubte er, dass Krebs auf eine durch ein Übermaß an Körpersäften hervorgerufene Entzündung zurückzuführen sei, Urin werde direkt aus der Hohlvene abgesondert, das Blut fließe durch unsichtbare Poren von der rechten Herzkammer in die linke. Weiterhin war er davon überzeugt, dass Frauen zwei Gebärmütter hätten, eine für Jungen, die andere für Mädchen, Eiter sei gut für den Heilungsprozess und Obst schädlich. GALENS Irrlehren und das Verbot der Kirche menschliche Leichen zu sezieren, unterbanden die medizinische Entwicklung bis ins 16. Jhd. und bestimmten die Heilkunde sowie das medizinische Denken und Handeln der Menschen. 

Erst im 15./16. Jhd. (Wissenschaft der Renaissance) kam es zum Wiederaufleben des Tierversuches. Dabei war das beliebteste Versuchstier der Hund. Aber auch Affen aufgrund der angeblichen Ähnlichkeit mit Menschen schienen bestens geeignet, ebenso Bären, Nagetiere, Einhufer und Wiederkäuer. Da Affen und Bären nicht leicht verfügbar waren, wurde auf Fleischfresser, vorzugsweise Hunde, zurückgegriffen. Diese wurden ohne Betäubung mit ihren Pfoten auf Bretter genagelt, ihre Körper geöffnet und die jeweiligen Experimente durchgeführt.

Die Grausamkeiten Tieren gegenüber waren Ausdruck des Weltbildes der Renaissance. Der Mensch als Stellvertreter Gottes hatte die Macht, über Tiere zu verfügen.

Als Wegbereiter grausamster Tierversuche gilt RENE DESCARTES (1596-1650), ein französischer Philosoph. Er folgerte aus seiner These „Cogito ergo sum – ich denke, also bin ich“, dass der Mensch fühlen und denken könne. Tiere dagegen würden lediglich als „seelen- und gefühlloser Automat“ handeln. Schmerzensschreie von Tieren verglich er mit mechanischen Abläufen wie dem Quietschen einer Maschine.

Dass der Tierversuch in der Wissenschaft unerlässlich sei, stammt aus dem 150 Jahre alten Denkmuster von CLAUDE BERNARD (1813-1878), der den biologischen Funktionen starre Gesetzmäßigkeiten wie in der Chemie und Physik unterstellte, die es analytisch nachzuvollziehen gilt.

In der Bernard`schen Theorie gibt es keine biologischen Unterschiede zwischen Mensch und Tier bzw. die Gemeinsamkeiten sind wichtiger als die Unterschiede. Krankheiten werden zu technischen Defekten und Tiere – denen die Leidensfähigkeit aberkannt wird – zu Messinstrumenten.

Tierexperimente wurden zum Prüfstein jeglicher medizinischer Erkenntnisse. Es gab auch schon zu jener Zeit Kritiken am Tierversuch, doch die Tierversuchsindustrie überzeugte durch zunehmenden Lobbyismus.

Die Geschichte der Tierversuche macht deutlich, dass das Prinzip des Tierversuches ein grausames Relikt aus längst vergangenen Zeiten ist, welches bis heute nicht hinterfragt, sondern lediglich unreflektiert übernommen wurde.

Ein Ausstieg aus diesen überholten, veralteten Denkmustern ist längst überfällig.

 

Weiterführende Literatur:
"Tierversuche in der Medizingeschichte"

Quellenangaben:
http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/INTERNET/ORGANISATIONORD/HEINRICH/UE8.pdf
www.impfrisiko.eu >Liste sonstiger Artikel: "Tierversuche: Die Anfänge einer falschen Methodologie"
MDR: LexiTV (http://www.mdr.de/lexi-tv/index.html) "Tierversuche Pro und Kontra", Eva Jobst, Ulrike Wolf 27.02.2016
Buch „Was Sie schon immer über Tierversuche wissen wollten“, Dr. Corina Gericke, 3. Auflage, Seite 42-43